Cornelia Krautwurst, Busfahrerin, Regionalverkehr Oberbayern GmbH, Wolfratshausen

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Möglichmacherin Conni Krautwurst

 

„Ich habe ganz viele Jobs: Busfahrerin, Reiseleiterin, Schaffnerin, Kundendialog, Fahrkarten-Beraterin und Reinigerin.“

Was machst Du, damit die Fahrt eines RegioBus möglich wird?

Ich fahre den Bus. Dazu gehört auch, dass ich ca. 15 min vor Dienstbeginn den Bus startklar mache. Ich schaue, welcher Bus mir zugeteilt ist und hole Schlüssel und Papiere. Dann heize ich den Bus vor, lege den Strecken-Fahrplan bereit, installiere den Wechsler in die Kasse, führe eine Licht- und Reifenkontrolle außen durch und kontrolliere, ob der Bus augenscheinliche Schäden hat.

Wenn ich meine Schicht im Betriebshof in Wolfratshausen neben der S-Bahn Wolfratshausen starte, schaue ich vor Abfahrt in den DB Navigator, ob die ankommende S-Bahn ggf. Verspätung hat. Maximal 5 min dürfen wir warten. Bei einer größeren Verspätung fahre ich pünktlich ab. Unsere Busabfahrten sind fahrplanmäßig an die Ankunftszeiten gekoppelt, so dass die Fahrgäste planmäßig einen wartefreien Übergang haben.

Was begeistert Dich an Deinem Job?

Mich begeistert es mit einem großen Bus zu fahren, 12 m Länge mit ca. 12 t Gewicht- ohne Fahrgäste.

Durch meinen Einsatz kann sowohl die jüngste als auch die älteste Bevölkerungsgruppe (Kinder und Senioren) am gesellschaftlichen Leben teilhaben.

Und wenn ich dazu beitragen kann, dass das Auto einmal in der Garage bleibt und der Bus genutzt wird, ist das ein kleiner Beitrag zum Klimaschutz!

Auch nach knapp 20 Jahren als Busfahrerin macht mir der Job immer noch viel Freude. Der Kontakt mit den Fahrgästen macht mir viel Spaß. Ich mache auch mal einen Witz, die Leute sollen froh gelaunt aussteigen. Die meisten müssen ja Bus fahren zur/von der Arbeit, sie steigen nicht in meinen Bus um des Busfahrens willen. Außerdem macht der Job mir so viel Spaß, weil ich ganz viele Funktionen habe:

Ich bin Fahrerin, Reisebegleiterin, höre mir auch Beschwerden wie beim Kundendialog an, bin Fahrkarten-Beraterin, Schaffnerin und Reinigerin. Ein sehr abwechslungsreicher Job!

Was war Dein schönstes Bus-Erlebnis?

Ich hatte Besuch von meinen Nichten, die durften mal bei einer letzten Schicht mitfahren, das war mit der Firma abgesprochen. Mit Kissen und Decken bepackt standen sie dann an der Bushaltestelle und ich habe sie aufgenommen. Die Nichten, 8-12 Jahre alt, haben sich alles ganz genau angeschaut, wie ein Bus funktioniert und was

den Job einer Busfahrerin ausmacht. Gegen Mitternacht wurden sie dann doch müde und haben sich ganz hinten mit ihren Decken und Kissen hingelegt.

Auf der letzten Etappe der Spätschicht gibt es eigentlich nie einen Fahrgast. Allerdings nicht bei dieser Fahrt, da stieg doch noch ein sehr später Fahrgast am Ende zu. Ich sagte ihm: „Bitte setzen Sie sich hier vorne zu mir, ich habe Angst, dass sie sich sonst auf eine meiner Nichten setzen.“ Der Fahrgast hat schallend gelacht, vorne bei mir Platz genommen und wir haben uns noch nett unterhalten.

Warum sollten sich Frauen zur Bahn bewerben?

Ich schätze es gibt derzeit ca. 10% Frauen unter den Busfahrern. Früher brauchte es mehr Kraft als Busfahrerin, heute gibt es viele Hilfsmittel und auch hilfsbereite Kollegen. Da könnten ruhig mehr Frauen zu uns kommen.

Wir haben ja auch viele weibliche Fahrgäste und viele Schulkinder, die würden sich vielleicht lieber an eine Busfahrerin wenden.

Dieser Job ist für eine Quereinsteigerin mit vielleicht größeren Kindern super. Im reiferen Alter weiß man ja, was man kann und will und kann nochmal durchstarten. Man kommt mit Menschen in Kontakt, kann sie beraten und für gute Laune sorgen.

Was war Dein Beweggrund, zur Bahn zu gehen? Warum hast Du Dich bei der DB beworben?

Ich bin seit knapp 20 Jahren bei der RVO, die zur DB gehört. Das Busfahren hat mich gefunden und nicht umgekehrt. Ich war nach 10 Jahren im Ausland wieder zurück nach Deutschland gekommen, wollte irgendwie Geld verdienen. Ich habe einen LKW-Führerschein gemacht, aber nie als LKW-Fahrerin gearbeitet. Dafür habe ich eine Ausbildung zur Fahrlehrerin gemacht und als PKW-Fahrlehrerin gearbeitet. Der Busführerschein fehlte noch in meiner Sammlung. Mit dem Busführerschein habe ich mich bei der RVO beworben. Das hat sich so gut angefühlt und so viel Spaß gemacht, dass ich es immer noch gerne mache heute!

Interview geführt von Sylvia Hollah