Artikel: Ines Schneppenhorst, Industriemechanikerin, DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH, Krefeld
“Es gibt nichts was Männer können, was nicht auch Frauen können.”
Was machst Du, damit die Fahrt eines ICE möglich wird?
Ich bin in meinem Team Oberbau im Innenbereich für den Fahrgastkomfort des Zuges und für Abdichtarbeiten zuständig: alles, was abgedichtet und geklebt werden muss, z.B. Abdichtungen an Waschtischen, am Dach nach Ausbesserungen.
Nach den Arbeiten verfasse ich Klebeprotokolle, in denen u.a. Temperatur und Klebematerial ganz exakt festgehalten wird. Denn die Abdichtungen werden teils an sicherheitsrelevanten Teilen vorgenommen und sollen teilweise den stärksten Beanspruchungen bei hohen Geschwindigkeiten standhalten. Die Klebeprotokolle werden von der Fachkraft überprüft.
Was begeistert Dich an Deinem Job?
Dass ich beim Feierabend sehe, was ich in der Schicht geschafft habe. Am Anfang der Schicht ist der Zug noch eine große Baustelle, und am Ende ist dann alles fertig. Das gibt ein gutes Gefühl.
Außerdem finde ich klasse, dass ich nicht immer das gleiche mache: ich arbeite mal im Zug, mal von oben auf dem Zug oder bin auch mal unter dem Zug. Und wir kommen auch mal raus aus der Werkstatt, besuchen Siemens und andere Werke der Bahn um dort auszuhelfen oder etwas Neues zu lernen.
Was war Dein schönstes Eisenbahn-Erlebnis?
Das Werk Krefeld hat das Projekt „Junior Firma“ ins Leben gerufen. Das ist quasi eine Werkstatt in der großen Werkstatt, die nur von Azubis geleitet wird. Hier lernen die Azubis den Ablauf im Werk kennen und sind selbst zuständig: von der Idee über die Planung, mit den dazugehörenden Büroarbeiten, bis zur Umsetzung der Produkte. In der „Junior Firma“ werden kleine Sachen für das Werk angefertigt. Hier sind z.B. unsere sogenannten Materialbahnhöfe entstanden, die wie Bushaltestellen gebaut wurden. Dort wird heute das Material für den jeweiligen Bereich im Werk angeliefert, und jeder kennt diese offensichtlichen Stellen und muss nicht lange nach dem Material suchen. Auch unsere Raucherpoints - kleine überdachte Häuschen für die Raucher - sind hier entstanden.
Mein bisher schönstes Erlebnis war, als ich als Azubi dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Dr. Grube ein Modell unsere Infostele im Rahmen eines Festaktes überreichen durfte. Die Info-Stele hatten wir Azubis entwickelt und gebaut. Sie enthält einen Monitor mit wechselnden Qualitätskennzahlen und Infos vom Werk. Das war für mich eine große Ehre und ein Highlight.
Warum sollten sich Frauen zur Bahn bewerben?
Es gibt nichts, was Männer können, was nicht auch Frauen können. Mehr Kolleginnen hier zu haben wäre schön, in meiner Schicht bin ich die einzige Frau. Die Bahn ist sehr engagiert, wenn es darum geht Frauen in technischen Berufen zu fördern.
Was war Dein Beweggrund zur Bahn zu gehen? Warum hast Du Dich bei der DB beworben?
Ich wollte immer zu einer großen Firma. Direkt nach der Schule hatte ich mich mal initiativ bei einer kleinen Firma beworben. Die waren mit einer weiblichen Bewerbung überfordert.
Bei der DB als zukunftsorientiertes Unternehmen war die Bewerbung dann völlig unkompliziert. Außerdem dachte ich, wer weiß, was die Zukunft bringt und wo es mich nochmal hinzieht, die DB ist ja deutschlandweit aktiv. Aber jetzt bin ich immer noch im Werk Krefeld und es macht immer noch großen Spaß!
Interview geführt von Sylvia Hollah