Simone Wenkel, Triebfahrzeugführerin für ICE/IC, DB Fernverkehr AG, Hannover/Bremen

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Möglichmacherin Simone Wenkel

„Ich bin die, die den Zug fährt.“

Was machst Du, damit die Fahrt eines ICE möglich wird?

Ich fahre den Zug und bereite den ICE für die Zugfahrt vor. Ich überprüfe die Sicherheitseinrichtungen und die Bremsen, beseitige ggf. anstehende Störungen, lade den Fahrplan und die Zusatzunterlagen hoch und gebe die Zugfertigmeldung zum Fahrdienstleiter ab. Nach dem Abfahrauftrag vom Zugchef schließe ich die Türen und halte alle Geschwindigkeiten, die mir durch Signale und Fahrplan vorgegebenen werden, genau ein, damit die Reisenden sicher an ihrem Reiseziel ankommen.

Während der Zugfahrt muss ich auch in vorgegebenen Abständen die Sifa (Sicherheitsfahrschaltung) betätigen, damit der ICE weiß, dass mit mir alles in Ordnung ist. Betätige ich die Sifa nicht, bleibt der ICE stehen.

Es gibt auch ab und an Unregelmäßigkeiten auf der Strecke, bei denen ich sofort handeln und entscheiden muss. Hier ist es wichtig die Vorschriften aus den Betriebsregelwerk zu kennen, das „1mal 1 des Lokführers“.

Während der Fahrt halte ich Kontakt zu vielen Kollegen, wie Zugführer, Fahrdienstleiter, Schaffner. Das Team und eine gute Zusammenarbeit sind wichtig.

Was begeistert Dich an Deinem Job?

Vor allem begeistert mich, dass ich so große Verantwortung habe, und dass jeder Tag anders ist. Außerdem bin ich immer unterwegs, kann die Natur durch große Fensterscheiben genießen- ich habe schon so viele schöne Sonnenaufgänge erlebt!

Das Arbeiten mit den Kollegen zusammen macht immer wieder Spaß. Manchmal ist der Arbeitstag auch ein bisschen verrückt: wenn es z.B. einen Stellwerksausfall gibt, oder anderes Zugmaterial eingesetzt ist. Dann muss man flexibel sein und Herausforderungen mögen. Man lernt hier immer dazu, es gibt regelmäßige Fortbildungen, auch auf dem ICE-Simulator, die IT-Welt entwickelt sich immer weiter – ich kann hier meinen Wissenshorizont ständig erweitern, das hält die grauen Zellen in Schwung!

Was war Dein schönstes Eisenbahn-Erlebnis?

Das war meine allererste Einfahrt auf einem ICE in den Frankfurter Bahnhof. Das war ein toller Anblick!

Ich habe damals meine Ausbildung zur Eisenbahnerin im Betriebsdienst bei der DB gemacht. Später bin ich zu einer Privatbahn als Triebfahrzeugführerin gewechselt und habe mich dann mit Ende 40 vom Fernverkehr als Lokführerin ausbilden lassen. Von dem kleinen Führerstand der Privatbahn zum großen Stand des ICE und dann noch in den riesigen Frankfurter Bahnhof einfahren – das war für mich schon eine tolle Entwicklung!

Schöne Momente erlebe ich auch immer, wenn ich am Bahnsteig in Unternehmenskleidung auf den Zug warte und von Reisenden nach Auskünften gefragt werde. Wenn ich dann passen muss und sage, ich bin die, die den Zug fährt, dann sehe ich immer in große Augen und offene Münder.

Warum sollten sich Frauen zur Bahn bewerben?

Man hat bei der Bahn so viele Möglichkeiten an sich selbst zu wachsen. Es gibt tolle Fortbildungschancen. Außerdem brauchen wir mehr weibliche Energie beim Fernverkehr. Das wäre schon toll, wenn wir mehr Kolleginnen im Lokführerstand hätten. Und es gibt viele Freiheiten als Frau auf dem Führerstand.

Was war Dein Beweggrund zur Bahn zu gehen? Warum hast Du Dich bei der DB beworben?

Ich wollte gerne noch etwas „Großes“ bewegen. Vom Triebfahrzeug-Führerstand einer Regionalbahn mit seinem Fahr- und Bremshebel zum Lok-Führerstand des ICE mit einer ganz anderen Technik zu wechseln – das war schon eine große Herausforderung, aber ich habe sie nie bereut!

Interview geführt von Sylvia Hollah