Artikel: Wiebke Venohr, Leiterin Flottenplanung ICE 4, DB Fernverkehr AG, Frankfurt a.M.
„Es ist ein tolles Gefühl nach Hause zu gehen und zu wissen, dass wir ganz viele Menschen an Weihnachten zu ihren Liebsten gebracht haben“
Was machst Du, damit die Fahrt eines ICE möglich wird?
Ich leite die Abteilung, die sich um alle Planungsaspekte der ICE 4-Flotte kümmert. Dazu gehört die strategische Projektplanung, die operative Fahrzeugplanung und die gesamte Budgetplanung.
Wir planen die logischen und physischen Umläufe, also wie oft muss das Fahrzeug ein Werk sehen, um z.B. Klimaanlagen auszutauschen, wo können Radsätze getauscht werden, wann muss er in die Waschanlage etc.Die fertige Flottenplanung geht zur Fahrzeug-Disposition. Dort wird der Zug detailliert eingelegt, er wird „richtig gedreht“. Kurz gesagt: Ich sorge mit meiner Abteilung dafür, dass die Züge des ICE 4 sicher und sauber fahren können.
Was begeistert Dich an Deinem Job?
Dass ich die ganz Brandbreite habe von “neues Redesign in den 30er Jahren“ bis „Zug ist morgen einsatzfähig“. Von strategischer bis operative Planung ist alles dabei. Und es hat alles unmittelbar Auswirkungen auf den Fahrgast.
Was war Dein schönstes Eisenbahn-Erlebnis?
Die schönsten Tage sind für mich die vor Weihnachten, wenn viele Reisende zu ihren Familien fahren. Wir fangen Wochen vorher an, den reisestärksten Tag im Jahr- meistens ist es der Freitag vor Heiligabend- vorzubereiten. So kurz nach Fahrplanwechsel knirscht es an der ein oder anderen Stelle manchmal noch, was die Vorbereitungen noch spannender, aber auch anstrengender macht. Wenn wir dann gut in den Tag starten, alle Züge verfügbar sind und stabil durch den Tag fahren, ist es ein tolles Gefühl nach Hause zu gehen und zu wissen, dass wir ganz viele Menschen an Weihnachten zu ihren Liebsten gebracht haben.
Warum sollten sich Frauen zur Bahn bewerben?
Um dieses Gefühl zu haben: Du verbindest Menschen. Das Fahrzeugmanagement ist ein männerdominierter Bereich, das verstehe ich gar nicht, es gibt keinen Grund dafür. Dieses Umfeld begeistert schnell. Man kann viel bewegen. Wenn nur ein Mensch mehr am Ende des Tages zu seinen Lieben fahren kann, hat sich die Arbeit gelohnt. Dazu kommt bei der Bahn natürlich der Nachhaltigkeitsaspekt. Wir tun all das, ohne die Umwelt zu belasten und fahren zu 100% mit Ökostrom. Das gibt ein gutes Gefühl.
Was war Dein Beweggrund zur Bahn zu gehen? Warum hast Du Dich bei der DB beworben?
Mich haben große starke Maschinen schon immer fasziniert und ich hatte mich für das duale Studium bei der Bahn entschieden, Fachrichtung Projekt-Engineering. Das ist
vergleichbar mit einem Wirtschaftsingenieur-Studium, nur praxisnäher: Die Hälfte der Studienzeit fand in der Hochschule Mannheim statt, die andere im Betrieb. So konnte ich z.B. schon während des Studiums vorne auf dem Triebzug mit unserem Ausbilder mitfahren und habe die Umläufe live in der Praxis miterlebt.
Interview geführt von Sylvia Hollah